Was ändert sich mit der ISO 9001:2026?
Die ISO 9001:2026 ändert die Grundlogik des Qualitätsmanagements nicht, schärft aber einige Anforderungen: Die oberste Leitung muss Qualitätskultur und ethisches Verhalten fördern, Risiken und Chancen werden getrennt betrachtet, Änderungen am QMS müssen strukturierter geplant werden, und die Klima-Ergänzung von 2024 ist fester Teil der Norm. Für die Umstellung haben zertifizierte Unternehmen bis zum 30. September 2029 Zeit.
Die neue Fassung wurde am 16. September 2026 veröffentlicht und ersetzt die ISO 9001:2015 einschließlich der Ergänzung zum Klimawandel. Die Kapitelstruktur folgt weiterhin der Harmonized Structure, die auch anderen Managementsystem-Normen wie der ISO 27001 zugrunde liegt. Wer sein QMS nach der Fassung von 2015 sauber betreibt, muss es nicht neu aufbauen, sondern gezielt ergänzen.
Einen Überblick über alle Normkapitel findest du in unserem Artikel Anforderungen der ISO 9001 an Unternehmen.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick
Qualitätskultur und ethisches Verhalten als Führungsaufgabe
Die wohl sichtbarste Neuerung: Die oberste Leitung muss eine Qualitätskultur und ethisches Verhalten aktiv fördern (Kapitel 5.1.1). Das Thema taucht zusätzlich beim Bewusstsein der Mitarbeitenden (7.3) und bei der Umgebung für die Durchführung von Prozessen (7.1.4) auf.
In der Praxis heißt das: Qualität darf nicht allein Aufgabe der QM-Beauftragten sein. Auditoren werden darauf achten, wie die Geschäftsleitung Qualität und Integrität vorlebt, etwa durch klare Kommunikation, Schulungen, einen offenen Umgang mit Fehlern und Verhaltensregeln.
Risiken und Chancen werden getrennt betrachtet
Kapitel 6.1 ist neu gegliedert. Statt Risiken und Chancen in einem Atemzug zu behandeln, unterscheidet die Norm jetzt zwischen Risiken (6.1.2) und Chancen (6.1.3) und verlangt jeweils eigene Maßnahmen. Ein formales Risikomanagementsystem nach ISO 31000 fordert die Norm weiterhin nicht.
Für dein QMS bedeutet das: Prüfe, ob deine Risikomatrix Chancen bisher nur am Rande erfasst. Chancen – etwa neue Technologien, Märkte oder Prozessverbesserungen – sollten eigenständig bewertet und mit Maßnahmen hinterlegt werden.
Änderungen am QMS strukturierter planen
Die Anforderungen an die Planung von Änderungen (Kapitel 6.3) wurden verstärkt. Unternehmen müssen Änderungen am QMS nicht nur planen, sondern auch kommunizieren, ihre Umsetzung überwachen und ihre Wirksamkeit bewerten. Das betrifft zum Beispiel neue Standorte, neue Software, Umstrukturierungen oder geänderte Prozesse.
Weitere Anpassungen
- Qualitätspolitik und Strategie: Qualitätspolitik, Ziele und Maßnahmen sollen ausdrücklicher an der langfristigen Strategie ausgerichtet sein.
- Wissen der Organisation: Kapitel 7.1.6 ist breiter gefasst und auf die beabsichtigten Ergebnisse des QMS bezogen.
- Interne Audits: Für das Auditprogramm müssen jetzt auch Auditziele festgelegt werden.
- Begriffe: Ein Teil der Begriffe steht jetzt direkt in der Norm, abgestimmt auf die Harmonized Structure und die ISO 9000:2026.
- Anhang A: Der Leitfaden ist auf rund 15 Seiten erweitert und erläutert die Kapitel 4 bis 10. Er enthält keine zusätzlichen Anforderungen, hilft aber bei der Auslegung.
Was sich nicht ändert
Im Vorfeld wurde viel über Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Lieferketten spekuliert. In der veröffentlichten Norm gibt es dazu keine neuen spezifischen Anforderungen:
- Keine KI- oder Digitalisierungspflichten: Die Norm bleibt technologieneutral. Der Einsatz von KI oder digitalen Tools muss nur dort berücksichtigt werden, wo er für Risiken, Chancen oder Prozesse relevant ist.
- Keine erweiterten Nachhaltigkeitsanforderungen: Über die Klima-Ergänzung in 4.1 und 4.2 hinaus gibt es keine ESG-Vorgaben.
- Keine neuen Lieferkettenklauseln: Die Steuerung externer Anbieter (Kapitel 8.4) bleibt im Kern unverändert.
- Gleiche Struktur: Die Kapitel 4 bis 10 und der PDCA-Zyklus bleiben erhalten.
Übergangsfristen: Bis wann musst du umstellen?
- 16. September 2026: Veröffentlichung der ISO 9001:2026.
- Übergangszeit von drei Jahren: Zertifikate nach ISO 9001:2015 bleiben bis zum 30. September 2029 gültig. Die verbindlichen Übergangsregeln legt die internationale Akkreditierungsorganisation fest.
- Umstellungsaudit: Die Umstellung erfolgt in der Regel im Rahmen eines regulären Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudits.
- Neuzertifizierungen: Zertifizierungsstellen müssen ihre Akkreditierung erst auf die neue Fassung erweitern. Frag deshalb frühzeitig nach, ab wann Audits nach der ISO 9001:2026 möglich sind.
Checkliste: So bereitest du die Umstellung vor
- Norm beschaffen und Gap-Analyse durchführen: Vergleiche dein QMS Kapitel für Kapitel mit der neuen Fassung.
- Qualitätskultur verankern: Lege fest, wie die Geschäftsleitung Qualitätskultur und ethisches Verhalten fördert, und nimm das Thema in Schulungen auf.
- Risiken und Chancen trennen: Passe deine Risikomatrix an und bewerte Chancen mit eigenen Maßnahmen.
- Change-Prozess prüfen: Stelle sicher, dass Änderungen am QMS geplant, kommuniziert, überwacht und bewertet werden.
- Qualitätspolitik und Ziele abgleichen: Prüfe die Verbindung zur Unternehmensstrategie.
- Auditprogramm ergänzen: Lege für interne Audits Auditziele fest.
- Umstellungsaudit planen: Stimme mit deiner Zertifizierungsstelle ab, in welchem Audit die Umstellung erfolgt.
Fazit: Weiterentwicklung statt Neuanfang
Die ISO 9001:2026 ist eine Evolution der Fassung von 2015. Die größten Änderungen betreffen die Rolle der Führung, die Trennung von Risiken und Chancen und das Management von Änderungen. Wer sein QMS gepflegt hat, kommt mit einer gezielten Gap-Analyse und einigen Anpassungen gut durch die Umstellung – und hat dafür bis Ende September 2029 Zeit.
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FAQ
Wann wurde die ISO 9001:2026 veröffentlicht?
Wann wurde die ISO 9001:2026 veröffentlicht?
Die ISO 9001:2026 wurde am 16. September 2026 veröffentlicht. Sie ersetzt die ISO 9001:2015 einschließlich der Ergänzung zum Klimawandel von 2024.
Wie lange bleibt ein ISO-9001:2015-Zertifikat gültig?
Wie lange bleibt ein ISO-9001:2015-Zertifikat gültig?
Zertifikate nach ISO 9001:2015 bleiben während der dreijährigen Übergangszeit bis zum 30. September 2029 gültig. Die Umstellung erfolgt in der Regel im Rahmen eines regulären Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudits.
Muss ich mein QMS für die ISO 9001:2026 neu aufbauen?
Muss ich mein QMS für die ISO 9001:2026 neu aufbauen?
Nein. Die Struktur der Kapitel 4 bis 10 bleibt erhalten. Wer sein QMS nach der Fassung von 2015 gepflegt hat, schließt mit einer Gap-Analyse die Lücken, vor allem bei Qualitätskultur, Risiken und Chancen sowie dem Management von Änderungen.
Enthält die ISO 9001:2026 Anforderungen zu KI oder Nachhaltigkeit?
Enthält die ISO 9001:2026 Anforderungen zu KI oder Nachhaltigkeit?
Nein, keine spezifischen. Die Norm bleibt technologieneutral und enthält über die Klima-Ergänzung in Kapitel 4.1 und 4.2 hinaus keine erweiterten Nachhaltigkeitsanforderungen. KI und digitale Tools sind nur dort zu berücksichtigen, wo sie für Risiken, Chancen oder Prozesse relevant sind.
Was bedeutet Qualitätskultur in der ISO 9001:2026?
Was bedeutet Qualitätskultur in der ISO 9001:2026?
Die oberste Leitung muss nach Kapitel 5.1.1 eine Qualitätskultur und ethisches Verhalten fördern, etwa durch klare Kommunikation, Schulungen, Verhaltensregeln und einen offenen Umgang mit Fehlern. Auch das Bewusstsein der Mitarbeitenden (Kapitel 7.3) umfasst diese Themen jetzt ausdrücklich.






